DIE KINDER DER TOTEN

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„Es ist Zombie-Ball in se Grand Hotel
Alle Zombies tanzen very well, aha.“
Georg Danzer

Die Zombies tanzen vielleicht nicht ganz im Grand Hotel, dafür steppt in der Pension Alpenrose das (ausgestopfte) Murmeltier, die geselchten Untoten hängen sich Palatschinken ins Gesicht (und sehen damit verblüffenderweise aus wie Jason Vorhees!) und lyrische Syriker äh syrische Lyriker kochen dazu mit vielseitig verwendbaren Spießen auf, während auf den Straßen berühmte Zombie-Österreicher aufmarschieren, bewehrt mit Schistöcken, feuerfestem Renn-Overall, Gamsbart und Hakenkreuzbinde. Ein neues Stück von Elfriede Jelinek im Burgtheater? Falsch, aber nur knapp vorbei. Zwei amerikanische (!) RegisseurInnen (bei dem Zielpublikum ja nicht aufs Gendern vergessen!) haben Jelineks alten Roman adaptiert, ohne ihn je gelesen zu haben. Das ist einerseits gar nichts besonderes, das ist in Hollywood Standard für Literaturverfilmungen, andererseits ist das gut nachvollziehbar, denn das Ding ist absolut unlesbar. Für mich schlichten Schluaf zumindest.

Der Film wiederum tut auch alles, um für den Durchschnittszuschauer möglichst unzugänglich daherzukommen – das 4:3-Format, das wackelige, körnige und gelegentlich unscharfe 8mm-Bild und als Zuckerguss die liebevoll im Hobbykeller aufgenommene Nachsynchronisation (nur Geräusche, die Dialoge werden mit Zwischentiteln eingeblendet!) lassen das Ganze so wirken, als hätte Herr X seine Souvenirs diesmal beim Urlaub im nebelverhangenen 10. Bundesland Österreichs, in der Zombiemark gesammelt, wo es schon auch einmal passieren kann, dass man hungrige Flüchtlinge für Untote hält und sich in der Kirche verbarrikadiert, während holländische Urlauber versuchen, die Syrer mit Rohscheiben zu füttern.

Wenn man sich aber darauf einlässt, ist das ganz groß- und einzigartig, ein bisschen auch so als wenn das leicht angrennte Retortenkind von Ingmar Bergmann und Lars von Trier seinen Eltern die alte Urlaubskamera geklaut hätte und mit den Klassenkameraden einen Zombie-Flashmob aufführen würde. Die Grundstimmung ist die der Groteske, es gelingen aber auch ein paar schöne gruselige und unangenehm berührende Momente, nach einem Durchhänger in der Mitte kommt dann sowieso eine Wuchtel nach der anderen. Mir ist das Wasser waagrecht aus den Augen gespritzt, als die Dorfbewohner in einem geheimen Nazi-Untergrund-Kino Rotz und Wasser beim Anschauen von Aufnahmen ihrer geliebten Verblichenen geheult haben. Den Kontrast muss man auch einmal bringen, greinendes Volk auf der Leinwand und ein unkontrolliert kicherndes Publikum davor.

Herrlich auch die Zombie-Parade auf der Hauptstraße, wo dann endlich Stimmung ist, wie´s ihr Lebtag noch nicht war, und die Pfarrer mit den Huren tanzen und die Juden mit Ara .. äh Nazis. Guter Geschmack ist hier der Feind, aber das passt schon so. Und wenn man im Finale nicht ganz so arg auf billigen Klamauk gesetzt hätte, wäre da sogar ein fünftes Sternderl zu holen gewesen. Aber vier Sterne für die Pension Alpenrose sind auch nicht schlecht, da können die Zombiemärker sich auch einmal besser fühlen als die Wiener, der Amador hat ja nur drei.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Steirerzombies are very gut für Hollywood, because the world in Bad Radkersburg is too small for them.

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Ö 2018. Regie & Buch: Kelly Copper, Pavol Liska. Darsteller: Andrea Maier, Greta Kostka, Klaus Unterrieder, Tamara Pregernigg, Lukas Eigl, Julia Zangger. 92 min.

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